Starnberg Werkstatt zum See

ein Bericht von Peter Haacke (Süddeutsche Zeitung)

 

Nach Jahren des Stillstands kommt nun Schwung in die Diskussion über das Areal am historischen Bahnhof und die Promenade. 400 Starnberger kommen zum Infoabend über die Seeanbindung.

 

 

 

Mit diesem gewaltigen Interesse hatten die Veranstalter offenbar nicht gerechnet: Rund 400 überwiegend gut vorbereitete Bürger fanden sich am Montag in der Schlossberghalle zur "Bürgerwerkstatt Seeanbindung" ein, um sich aus erster Hand über die Möglichkeiten zu Starnbergs wichtigstem städtebaulichen Projekt zu informieren. Sechs Architekturbüros sowie ein Team, das im Bereich "Bahntechnik" tätig ist, stellten sich den Fragen der Interessierten und erläuterten ihre Arbeiten. Im Fokus standen Entwürfe, die Starnbergs prominenteste Stelle - das Umfeld des historischen Bahnhofs und dieSeepromenade - in den Mittelpunkt rückten. "Schauen Sie sich das genau an", ermunterte Professorin Christiane Thalgott die Anwesenden eingangs der dreistündigen Veranstaltung, die für manchen Besucher mit erheblichem Erkenntnisgewinn verbunden sein dürfte. Aber auch Architekten, Fachgutachter und Mitglieder des Arbeitskreises Seeanbindung haben "eine Fülle von Anregungen" bekommen, wie Jury-Mitglied Professor Christoph Valentien anerkennend feststellte.

Nach Jahren des Stillstands ist zum Thema "Seeanbindung" nun offensichtlich wieder neuer Schwung in die Angelegenheit gekommen. Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger erkannte am Ende dieses Abends gar "eine Art Aufbruchstimmung" mit Signalwirkung für den Stadtrat. "Das haben wir so noch nie erlebt", sagte Pfaffinger, "dass sich so viele ernsthaft für das Thema interessieren." Das Lob ging freilich auch indirekt an die Starnberger Stadtverwaltung, die mit umfangreichem Infomaterial, einer Dokumentation der präsentierten Entwürfe, einer Ausstellung zum Thema (bis 26. April) und einer Homepage im Internet mustergültig auf die "Bürgerwerkstatt" vorbereitet habe.

Nach einer allgemeinen Einführung ins Thema durch Pfaffinger, der insbesondere die Projekthistorie, die Entscheidungen des Stadtrates und die Eckpunkte des 1987 geschlossenen Vertrags zwischen der Stadt Starnberg und der Deutschen Bahn skizzierte, erläuterte der souverän leitende Professor Peter Zlonicky das Prozedere des Abends: In jeweils zehn Minuten hatten die Interessierten die Möglichkeit, die Architektenteams zu ihren Arbeiten zu befragen, ehe ein Gong den Wechsel zum nächsten Team signalisierte. Insgesamt 70 Minuten waren somit bereits verplant.

Zusätzlich bestand die Möglichkeit, Fragen, Anregungen oder Kritik auf den jeweils zugehörigen Stellwänden zu vermerken - wovon einige Anwesende mit größter Freude ausgiebig Gebrauch machten: So notierte ein Mann auf einem Zettel durchgängig das sinnfreie Wort "Stuttgart 21", ein anderer forderte einen unterirdischen Tunnel für die Bahn, auf einer Stellwand stand: "Alles so lassen wie es ist." Ein Gründungsmitglied des zahlreich vertretenen Vereins "Schöner zum See" schrieb gar auf sämtliche Stellwände schlicht "Keine Stege" und "Keine Gleisverlegung" - ungeachtet der Tatsache, dass diese Aspekte teilweise bereits mehrfach genannt waren. Pauschal hinterfragt wurde auch die Finanzierbarkeit des Gesamtprojekts und ob die Gleisverlegung tatsächlich vonnöten sei.

In der Mehrzahl aber gab es überaus konstruktive Anregungen, etwa Fragen nach Taxistand und Parkraum, oder wie man die Stege wintersicher macht. Kontroverse Diskussionen ergaben sich zur Gestaltung der Bahnhofstraße im Widerspruch zwischen "Beton und Bäumen" und des Areals vor dem Hotel "Bayerischer Hof". Kritisiert wurde, dass die meisten Entwürfe auf eine Darstellung der Bahn-Oberleitungen verzichtet hatten. Vermisst wurde zudem ein durchgängiges Radwege-Konzept im Bereich der Seepromenade.

Für die beteiligten Architekten, Mitglieder der Fachjury und des Arbeitskreises Seeanbindung ist die Arbeit damit noch längst nicht erledigt - und auch die Bürger haben weiterhin die Möglichkeit, im Internet unter www.seeanbindung-starnberg.de Anregungen und Kritik zu äußern. Oberstes Ziel bleibt es, positive Detailaspekte der sechs Arbeiten sowie Anregungen aus der Bürgerschaft zu einem Gesamtentwurf zusammenzufügen, der dann zu einer Entscheidung führt.

Quelle: süddeutsche Zeitung     

 

 

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