Ein Gespräch mit Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger Seeanbindung

Ein Gespräch mit Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger 

Seeanbindung – hohe Kosten, unbezahlbares Ergebnis

Nach längerem Dornröschenschlaf ist das Thema „Seeanbindung“ wieder brandaktuell. Eine beinahe „historische“ Entscheidung des Stadtrates bringt seit Januar endlich wieder Bewegung in die Überlegungen, was an diesem prominenten Platz in Starnberg in Zukunft entstehen darf.

 

 

Der Vertrag, der 1987 mit der Deutschen Bahn geschlossen wurde, soll nun doch erfüllt werden. Von einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2010 hingegen nimmt die Stadt Abstand.

Damit ist der Weg frei, die Planung für die umfangreiche Neugestaltung des Bahn- und Seeuferbereichs auf den aktuellen Stand zu bringen. 

Was war an der jüngsten Entscheidung im Stadtrat so bahnbrechend?
Pfaffinger: Die Anbindung der Stadt an den See ist städtebaulich nachhaltig entscheidend. Erste Schritte sind wir bereits gegan- gen, um den Vertrag mit der Bahn zu erfüllen und die Neugestaltung auf den Weg zu bringen. Dies an dieser Stelle abzubrechen und den Vertrag mit allen Konsequenzen nicht einzuhalten, wäre für die Zukunft unserer Stadt nicht sinnvoll. 

 

Was beinhaltet die vertragliche Vereinbarung von 1987?
Pfaffinger: Im Wesentlichen geht es um folgende Schritte: Zunächst der Bau eines „Verkehrs- und Arbeitsbahnhofes“ im Norden der Stadt. Der existiert ja bereits. Darauf sollte der Rückbau der Gleisanlagen am Bahnhof See auf das notwendige Maß erfolgen, mit einer gleichzeitigen Veränderung der Gleisradien, um eine Durchfahrgeschwindigkeit von 80 km/h und eine geräusch- ärmere Durchfahrt zu ermöglichen. Im Gegenzug soll dann eine Übereignung der durch die Verlegung und Reduzierung der Gleise frei werdenden Bahnflächen an die Stadt erfolgen. 

 

Aus welchem Grund rückte man 2010 von diesem Vertrag ab?
Pfaffinger: Der Stadtrat wollte zwar zum Vertrag stehen, doch wünschte er mehrheitlich sofort den barrierefreien Ausbau des Seebahnhofes bei bestehender Gleisanlage. Gleichzeitig sollten von der Deutschen Bahn aber die brachliegenden Bahnflächen am Seespitz der Stadt zur Nutzung übereignet werden. Doch nach eingehender Prüfung wurde rasch klar, dass ein barrierefreier Ausbau einem Neubau des Bahnhofs gleichkäme. Zudem bliebe nach dem Ausbau, der immerhin 6 bis 7 Mio. Euro gekostet hätte, die derzeitige Anzahl und Lage der Gleise bestehen. Damit wäre die Möglichkeit, den Vertrag von 1987 einzuhalten, hinfällig. Die Seeanbindung wäre also nicht mehr möglich gewesen. 

 

Also sind Sie zur ursprünglichen Idee zurückgekehrt?
Pfaffinger: Genau, denn in letzter Konsequenz gab es nur Nachteile. Bei Beibehaltung der jetzigen Gleislage würde man am See keine Flächengewinne und somit auch keine Erweiterung der nördlichen Seepromenade realisieren können. Zudem würde ein Umbau auf der Grundlage der derzeitigen Gleislage die Situation auf Jahrzehnte hinaus festschreiben und eine Erfüllung des Vertrages von 1987 unmöglich machen. Dies wiederum hätte bedeutet, dass die städtebauliche Planungshoheit für die Grundstücke, die die DB AG der Stadt dann nicht übereignet hätte, auch bei der Bahn geblieben wäre. Öffentliche Fördermittel hätte es für den barrierefreien Ausbau bei bestehender Gleisführung auf absehbare Zeit auch nicht mehr gegeben. Somit haben wir uns von diesen Punkten des Beschlusses von 2010 verabschiedet und uns letztlich dann doch für die Einhaltung des ursprünglichen Vertrages entschieden. 

 

Wie geht es nun weiter?

Pfaffinger: Der Stadtrat hat einen interfraktionellen Arbeitskreis ins Leben gerufen, der die Umbauplanung des Bahnhofes, aufbauend auf dem vorhandenen Wettbewerbsentwurf, städtebaulich gründlich überdenken soll. Er hat ein Jahr Zeit, um nach ökologisch, städtebaulich und finanziell sinnvollen Alternativen zu suchen. Unverrückbar dabei ist die Planung der Bahntrasse, also die Verlegung und Reduzierung der Gleise. Alles andere, etwa die Höhenlage der Gleise oder die Anzahl der Unterführungen, kann diskutiert werden. 

 

Der aktuelle Zustand des Seebahnhofs ist unzumutbar – bleibt das so bis zum Umbau?

 Pfaffinger: Wir sind mit der Bahn bezüglich der Bahnsteigbedachung im Gespräch. Ein Bauingenieur prüft aktuell, ob das Tragwerk saniert werden kann; der Bericht dazu wurde uns für Ende April zugesagt. Derzeit sieht es ganz gut aus, dass die Bahn für die Pendler bald wieder einen entsprechenden Wetterschutz auf den Bahnsteigen errichten wird. Fortschritte sind inzwischen auch bei der Bahnunterführung erzielt: Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr die alten, maroden Schaukästen in der Unterführung entfernen und die Planung des Starnberger Architekten Nicolai Baehr umsetzen können, die deutlich mehr Licht in die Unterführung bringen wird. Außerdem will die DB Station & Service auf jeden Fall für mehr Sauberkeit rund um die Bahnanlage sorgen.

Quelle: Stadtgespräch, Stadt Starnberg, Ausgabe 98. , Mai 2012

 

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